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Therapie
Der
Morbus Perthes ist eine selbstheilende Erkrankung. Der Grund einer
Behandlung ist das Risiko einer Verformung des Hüftkopfes und die
hierdurch sekundär verursachte Hüftarthrose im Erwachsenenalter.
Wesentliches Behandlungsziel ist der Erhalt des Containments (Hüftkopfüberdachung
s.o.) bei gleichzeitiger Vermeidung von Wachstumsstörungen
(Wachstumsfugen-Läsionen). Nur dann besteht Aussicht auf ein dauerhaft
gut und schmerzfrei bewegliches Hüftgelenkt. Zum
Erhalt oder zur Verbesserung des Containments, d.h. zum Erreichen einer
besseren Hüftkopfüberdachung, stehen konservative und operative Möglichkeiten
zur Verfügung.
Bei Kindern unter 5 Jahren kann
die ärztliche Beobachtung mit regelmäßigen Röntgenkontrollen
ausreichend sein (sog. „supervised neglect“). Manchmal ist eine
zwischenzeitliche Bettruhe verbunden mit einer passageren
Extensionsbehandlung oder Anlage eines Spreizgipses erforderlich.
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Eine konservative
Therapiemöglichkeit ist die
Extensionsbehandlung. Über eine am Bett montierte Rolle wird
mehrmals täglich mit Gewichten am Bein gezogen. Hierdurch wird der kranke
Hüftkopf entlastet. Diese Behandlung kommt auch als
vorbereitende Maßnahme vor einer Operation infrage. |
Neuerdings kommt auch eine Ruhigstellung des Beins durch Lähmung der
Oberschenkeladduktions- und/oder
-streckmuskulatur mit einer Injektion von Botulinumtoxin A in Frage. Die
Beweglichkeit kann vorsichtig durch Krankengymnastik verbessert werden –
vorsichtig deshalb, weil nur die durch spastische Muskelverkürzung
bedingte Bewegungseinschränkung des Hüftgelenkes gut angegangen werden
kann, während eine arthrogene (durch Kopfverformung) verursachte
Bewegungseinschränkung therapierefraktär sein kann, bzw. durch forcierte
Therapie noch verschlechtert werden kann. Entscheidend ist eine genaue
Analyse mittels Kernspinntomographie (MRT).
Die sicherste Behandlung der Erkrankung besteht
in einer Schonung, d.h. in einer Entlastung des Hüftgelenkes. Dadurch
wird der knorpelig vergrößerte und gleichzeitig weiche Hüftkopf am
besten vor wiederholter Traumatisierung und Deformierung geschützt.
Hierzu eignet sich die Benutzung eines Rollstuhls und die Verwendung von
Unterarmgehstützen für kurze Wegstrecken zuhause oder in der Schule.
Gleichzeitig handelt es sich um eine belastende Behandlung – belastend für
die Psyche von Kind und Eltern, weil meist besonders bewegungsfreudige
Kinder von der Erkrankung betroffen sind. Hier kann der Kontakt zu anderen
Familien helfen.
Zum Verständnis der besonderen Bedeutung der entlastenden Behandlung:
Nach unseren Untersuchungen mit Pedometern
macht ein normales Kind etwa 20.000 Schritte am Tag. Wenn es gelingt das
Kind auf einen Wert von 2.000 bis 3.000 zu bremsen, werden die Hüftgelenke
ausreichend geschont. Dies zeigt sich auch darin, dass wir bei guter
Compliance, d.h. gutem Einhalten der Rollstuhlbenutzung immer eine rasche
Ausheilung der in 20% der Fälle betroffenen Gegenseite feststellen
konnten.
Umstritten ist der Einsatz von orthopädischen
entlastenden oder spreizenden Schienen (Thomas-Splint, Mainzer-Schiene, Würzburger-Schiene).
Da die von der Perthes´schen Erkankung betroffenen Kinder typischerweise
besonders bewegungsfreudig sind, führen die Schienen zu muskulären
Gegenkräften, die das Hüftgelenk noch zusätzlich belasten. Die Schienen
dürften nur dann sinnvoll sein, wenn sie das Kind in seiner Aktivität bremsen.
Die konservative Behandlung
muss unserer
Meinung aufgegeben werden, wenn ein Containmentverlust droht oder beginnt
(Meiss, 2001).
Dann kommen chirurgische Maßnahmen zur Verbesserung des Containments in
Frage.
Sie bestehen in
knöchernen Umstellungsoperationen an Oberschenkel oder Becken.
Durch eine Durchtrennung des Oberschenkels mit Entfernung eines
Knochenkeils und anschließender Stabilisierung mit einer Metallplatte
(sog. varisierende intertrochantäre Umstellungsosteotomie), kann der
Schenkelhalswinkel so verändert werden, dass der Hüftkopf besser
in der Hüftpfanne steht. Alternativ kann die Überdachung des Hüftkopfes
durch eine Beckendurchtrennung und -schwenkung mit Einsetzen eines
Knochenkeils verbessert werden.
Wir
haben in unserer Klinik die Technik nach Salter-Westin etabliert. Hierbei
wird das Becken oberhalb des Hüftpfannendaches des betroffenen Seite
teilweise durchtrennt. In den so entstehenden Spaltraum wird ein speziell
angefertigter kleiner Keil aus knochenähnlicher Substanz (Hydroxylapatit
- HA)
eingesetzt. Das Pfannendach wir hierdurch etwas nach unten und seitlich
geschwenkt, wodurch die Überdachung des Kopfes, das Containment,
verbessert ist. Ein Metallstift mit Gewinde sichert die Position der
Beckenfragmente und des HA-Keils gegen Verschiebung.
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Röntgenaufnahme
des Beckens im Anschluss an eine Beckenosteotomie in der Technik
nach "Salter-Westin", wie wir sie in unserer Klinik
praktizieren (siehe Text). Die helle eckige Struktur oberhalb des
linken erkrankten Hüftkopfes ist der eingebrachte
Hydroxylapatit-Keil. Die längliche dünne Struktur ist der
Bohrdraht zur Fixation der geschwenkten Hüftpfanne und des Keils. |
Die
Nachbehandlung erfolgt in einem Gips für 6 – 7 Wochen, der das Becken
und das Bein der betroffenen Seite vollständig sowie das Bein der anderen
Seite bis zum Knie umschließt. Der Gips wird in Spreiz- und leichter
Beugestellung angelegt, damit der Hüftkopf gut und ohne Druck in der
Pfanne zentriert ist. Der Gips wird in aller Regel trotz der starken
Einschränkung der Beweglichkeit der Beine gut akzeptiert. Die Kinder können
die meiste Zeit im Gips zuhause verbringen. Nach 6 Wochen erfolgt die
Wiederaufnahme in die Klinik zur Gipsentfernung, Röntgenkontrolle und
gelenkmobilisierenden Krankengymnastik. Die Operation verbessert die
Aussicht auf die Wiederherstellung eines normalen Hüftgelenkes , aber der
eigentliche Heilungsverlauf wird nicht abgekürzt. Deshalb legen wir
größten
Wert auf eine weitere entlastende Behandlung im Rollstuhl bis gut in die
Regenerationphase hinein (insbesondere bis zum Aufbau des „lateral
pillar“, s.o.). Die Behandlungszeit des Morbus Perthes ist also relativ
lang und erfordert von den Eltern eine intensive Betreuung und Pflege
ihres Kindes. Gemessen an dem Ziel einer langdauernden guten und
schmerzfreien Funktion des Hüftgelenkes, ist die langwierige konservative
und bei Bedarf operative Behandlung gut zu begründen und lohnenswert. Bei
rechtzeitigem Beginn ist sie nach unserer Erfahrung meist erfolgreich.
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Nach der Operation
wird ein Becken-Bein-Fuß-Gips für 6 - 7 Wochen angelegt, damit der
Knochen heilt und die Hüfte maximal entlastet wird. Die Kinder
gewöhnen sich schnell an
den Gips und können
nach einer Woche Krankenhaus zuhause weiter gepflegt werden.
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Zur Entfernung
des Gipses ist die stationäre Wiederaufnahme
erforderlich. Der Gips wird aufgesägt und nach Röntgenkontrolle wird mit der
Mobilisation im Rollstuhl begonnen. Die Entlastung im Rollstuhl
dauert in der Regel noch viele Monate.
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